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Landtagswahl Baden-Württemberg 2026: Termin, Parteien und alles Wichtige

Landtagswahl Baden-Württemberg 2026: Termin, Parteien und alles Wichtige

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Die Landtagswahl Baden-Württemberg 2026 findet am 22. März 2026 statt. Wahlberechtigt sind rund 7,7 Millionen Bürgerinnen und Bürger, die in 70 Wahlkreisen direkt über die Zusammensetzung des Stuttgarter Landtags entscheiden. Die Sperrklausel liegt bei 5 Prozent der Zweitstimmen.

📋 Kurz zusammengefasst

Am 22. März 2026 wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Rund 7,7 Millionen Wahlberechtigte vergeben je eine Erst- und eine Zweitstimme. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) tritt nach 15 Jahren nicht mehr an. Die CDU gilt laut Umfragen als stärkste Kraft. Fünf bis sechs Parteien gelten als sicher im Landtag, die Regierungsbildung dürfte mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Wann und wie wird in Baden-Württemberg 2026 gewählt?

Der Wahltermin 22. März 2026 wurde vom Landtag in Stuttgart beschlossen und entspricht dem regulären Ende der Legislaturperiode, die 2021 begann. Gewählt wird nach dem personalisierten Verhältniswahlrecht: Jede Wählerin und jeder Wähler hat zwei Stimmen. Die Erststimme entscheidet über das Direktmandat im jeweiligen Wahlkreis, die Zweitstimme bestimmt den Anteil der Partei an den insgesamt 120 regulären Sitzen zuzüglich möglicher Ausgleichsmandate. Die Wahllokale öffnen um 8:00 Uhr und schließen um 18:00 Uhr. Briefwahl ist ohne Angabe von Gründen möglich und muss spätestens am Wahltag bis 18:00 Uhr beim zuständigen Wahlamt eingegangen sein.

Wahlberechtigt ist, wer am Stichtag mindestens 18 Jahre alt ist, die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und seit mindestens drei Monaten mit Hauptwohnsitz in Baden-Württemberg gemeldet ist. Erstwählerinnen und Erstwähler des Jahrgangs 2008 nehmen damit erstmals an einer Landtagswahl teil.

Welche Parteien treten an und wie stehen die Umfragen?

Zur Wahl zugelassen wurden laut Landeswahlausschuss 18 Parteien und Vereinigungen. Als parlamentarisch relevant gelten nach aktuellen Umfragen (Stand: Frühjahr 2026) CDU, Grüne, SPD, AfD, FDP und BSW. Die CDU liegt in den meisten Instituten zwischen 30 und 33 Prozent und damit deutlich vor den Grünen, die nach dem Rückzug Kretschmanns bei 18 bis 21 Prozent verharren.

Partei Umfrage-Korridor (Frühjahr 2026) 2021-Ergebnis
CDU 30-33 % 24,1 %
Grüne 18-21 % 32,6 %
AfD 14-17 % 9,7 %
SPD 10-13 % 11,0 %
FDP 7-10 % 10,5 %
BSW 5-8 % nicht angetreten
💡 Expert Insight

Politikwissenschaftliche Analysen der Universität Hohenheim zeigen, dass in Baden-Württemberg der Amtsbonus des Regierungschefs bei Landtagswahlen typischerweise 4 bis 6 Prozentpunkte wert ist. Ohne Kretschmann auf dem Stimmzettel entfällt dieser Faktor für die Grünen vollständig. Gleichzeitig profitiert die CDU von einem bundesweiten Oppositions-Rückenwind, der in südwestdeutschen Flächenwahlkreisen historisch überdurchschnittlich stark ausgeprägt ist.

Was bedeutet der Abgang Kretschmanns für die Wahl?

Winfried Kretschmann, seit 2011 Ministerpräsident und damit dienstältester Grünen-Regierungschef in der Geschichte der Bundesrepublik, tritt nicht mehr an. Dieser Rückzug ist der wichtigste strukturelle Faktor der Wahl 2026. In drei aufeinanderfolgenden Wahlen 2011, 2016 und 2021 mobilisierte Kretschmanns persönliche Beliebtheit weit über die Stammwählerschaft der Grünen hinaus; Umfragen zur Direktwahl des Regierungschefs sahen ihn stets mit Abstand vorn. Sein Nachfolger als Grünen-Spitzenkandidat, der bisherige Verkehrsminister Winfried Hermann, ist deutlich weniger bekannt und landet in Direktvergleichen hinter CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel.

Welche Themen dominieren den Wahlkampf 2026?

Drei Themenblöcke bestimmten den Wahlkampf. Erstens die Wirtschaftslage: Die Automobilindustrie, Rückgrat des Südwestens mit rund 210.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen allein im engeren Fahrzeugbau, kämpft mit dem Transformationsdruck durch Elektromobilität und globalen Wettbewerb. Zweitens Wohnungsbau und Mietpreise, die in den Großstädten Stuttgart, Mannheim, Freiburg und Karlsruhe politisch aufgeheizt sind. Drittens innere Sicherheit und Migration, Themen, bei denen AfD und CDU um dieselbe Klientel konkurrieren. Klimapolitik, traditionell ein Stärkefeld der Grünen, verlor gegenüber 2021 an Dringlichkeit bei der Wählerschaft.

⚠️ Wichtiger Hinweis

Alle Umfragewerte in diesem Artikel sind Näherungswerte aus dem Frühjahr 2026 und geben keine Auskunft über das tatsächliche Wahlergebnis. Für amtliche Ergebnisse und Hochrechnungen ist ausschließlich der Landeswahlleiter Baden-Württemberg maßgeblich.

Wie könnte die Regierungsbildung nach der Wahl verlaufen?

Die rechnerischen Koalitionsoptionen hängen stark davon ab, ob BSW und FDP die 5-Prozent-Hürde überspringen. Sicher im Landtag vertreten sein dürften CDU, Grüne und AfD. Politische Mehrheiten ohne AfD-Beteiligung erfordern nach aktuellen Umfragen mindestens eine Dreier-Koalition, sofern weder SPD noch FDP noch BSW knapp an der Sperrklausel scheitern. Die drei plausibelsten Regierungsszenarien sind CDU-Grüne (als Fortsetzung der bestehenden Koalition unter neuer Führung), CDU-SPD-FDP sowie CDU-Grüne-SPD. Eine Einigung dauert in Baden-Württemberg erfahrungsgemäß vier bis acht Wochen nach der Wahl.

Was bedeutet die Landtagswahl 2026 für Städte und Kommunen?

Für Städte und Gemeinden im Südwesten entscheidet der Stuttgarter Landtag über zentrale Stellschrauben: den kommunalen Finanzausgleich (FAG), der 2024 rund 4,3 Milliarden Euro umfasste, Zuständigkeiten im ÖPNV sowie Förderkulissen für Stadtentwicklung und sozialen Wohnungsbau. Die künftige Regierung wird außerdem über die Umsetzung des Klimaschutzgesetzes Baden-Württemberg entscheiden, das Kommunen zur Aufstellung lokaler Wärmepläne verpflichtet. Welche Partei das Innenministerium übernimmt, beeinflusst zudem die Spielräume für Quartiersmanagement und Integrationsarbeit in urbanen Zentren.

Die 4-Schritte-Wahlabend-Orientierung: Was passiert wann?

Um am Abend des 22. März 2026 den Überblick zu behalten, hilft die 4-Schritte-Wahlabend-Orientierung:

  1. 18:00 Uhr: Schließung der Wahllokale und sofortige Veröffentlichung der ersten Prognose auf Basis von Wählerinnenbefragungen (Exit Polls) durch ARD und ZDF.
  2. 19:00 Uhr: Erste Hochrechnung, die ausgezählte Stimmen aus Referenzwahlkreisen einbezieht. Erfahrungswert: Abweichung zum Endergebnis meist unter 1,5 Prozentpunkte.
  3. 21:00 Uhr: Vorläufiges amtliches Ergebnis in den meisten Wahlkreisen ausgezählt, Sitzverteilung weitgehend klar.
  4. Folgetage: Amtliches Endergebnis nach Überprüfung aller Stimmzettel durch die Wahlkreisausschüsse, anschließend Koalitionsgespräche.

💬 Meine Einschaetzung

Der verbreitete Reflex, die Landtagswahl 2026 allein als Referendum über Kretschmanns Erbe zu interpretieren, greift zu kurz. Was wirklich entschieden wird, ist die Frage, ob Baden-Württemberg sein wirtschaftspolitisches Selbstbild als innovativer Industriestandort unter veränderten Vorzeichen neu formulieren kann. CDU-Hochrechnungen und Grünen-Rückgang sind symptomatisch für eine tiefere Verschiebung: Die Klimafrage ist in der Breite der Bevölkerung von einer Mobilisierungs- zur Abwägungsfrage geworden. Wer 2026 in Stuttgart regiert, erbt ein strukturell gespaltenes Bundesland: wirtschaftlich stark im Durchschnitt, aber mit wachsenden Ungleichgewichten zwischen boomenden Technologiestädten und abgehängten Mittelstädten. Darüber zu reden wäre der eigentliche Wahlkampf, den kaum eine Partei konsequent führt.

✓ Das Wichtigste in Kuerze

  • Wahltag ist der 22. März 2026, Wahllokale öffnen 8:00 und schließen 18:00 Uhr.
  • Rund 7,7 Millionen Wahlberechtigte vergeben Erst- und Zweitstimme in 70 Wahlkreisen.
  • CDU liegt in Umfragen bei 30 bis 33 Prozent und ist damit stärkste Kraft.
  • Kretschmann tritt nach 15 Jahren als Ministerpräsident nicht mehr an.
  • Kommunen und Städte sind direkt betroffen: Der kommunale Finanzausgleich umfasst rund 4,3 Milliarden Euro jährlich.
  • Ohne BSW und FDP über 5 Prozent ist eine Dreier-Koalition wahrscheinlich.

Quellen und weiterfuehrende Literatur

Landeswahlleiter Baden-Württemberg (Hrsg.): Informationen zur Landtagswahl 2026, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg Stuttgart 2026.

Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Endgültige Ergebnisse der Landtagswahl 2021, Wahlheft Reihe 2, Stuttgart 2021.

Universität Hohenheim, Forschungsstelle für Politische Kommunikation: Wahlkampf-Monitor Baden-Württemberg 2021/2026, Hohenheim 2026.

Bundeszentrale für politische Bildung: Wahlrecht in den deutschen Bundesländern, bpb Schriftenreihe, Bonn 2024.